Klaus Gösweiner im Interview

Nicht erst seit seinem Sieg beim Groß Glockner Ultra im Vorjahr gemeinsam mit Markus Amon ist Klaus Gösweiner ein bekannter Name in der Österreichischen Sport-Szene. Früher war er noch mehr auf den Tourenski, inzwischen immer öfter in den Trailrunning-Schuhen zu sehen. Mit einem neuen Projekt wird er heuer im Sommer für einiges an Aufsehen sorgen. Ich habe Klaus Gösweiner zu einem Gespräch gebeten:

Klaus beim ZUT. Foto: Sportograf

Klaus beim ZUT. Foto: Sportograf

auffimuasi: Klaus, du kommst eigentlich aus dem Skibergsteiger-Bereich. Was hat dich zum Trailrunning gebracht?

Klaus Gösweiner: Mit Laufen auf der Ultra Distanz habe ich mein sportliches Ziel erreicht. Mein Vater war 1994 mit einer Vierer Staffel beim 24h Lauf in Wörschach dabei und ich als damals 14-jähriger Zaungast. Ich war damals fasziniert von Wolfgang Erhart, der mit 236km den Lauf gewonnen hat: durchtrainierter Körper, immer ein leichtes Lächeln im Gesicht, nie das Zeichen einer Schwäche. Für mich war das damals so etwas wie ein Schlüsselerlebnis. Auch wenn mich mein Weg erst vor 3 Jahren in den Ultralaufbereich geführt hat – entschieden hat sich das bereits 1994 durch meinen Vater und Wolfgang Erhart. All die Jahre des Langlaufens, Mountainbikens, Skibergsteigens und Laufens träumte ich immer von richtig langen Distanzen. 20 Jahre nach dem Sieg von Wolfgang in Wörschach ist nun meine Ultra Zeit angebrochen, mit dem Sieg bei GGUT 2015 konnte ich bereits einen Erfolg erzielen, mit meinen eigenen Projekten habe ich mich vorbereitet und gezeigt, was sozusagen „aus dem Stegreif“ möglich ist. Jetzt kommt StyriaCrossing, nicht aus dem Stegreif, sondern top vorbereitet. Interessantes Detail: Wolfgang lief 1994 236km, bei Styria Crossing werde ich 2016 ziemlich genau die gleiche Distanz laufen, allerdings mit über 10.000 Aufstiegshöhenmetern….

Trauriges Detail: Aufgrund einer seltenen Erkrankung kann sich mein Vater nahezu nur mehr mit dem Rollstuhl fortbewegen und hat den Großteil seines Hörvermögens verloren. Sport war für ihn immer seine große Leidenschaft. Fußball, Laufen, Triathlon, Radfahren – ja sogar einen 6000er hat er bestiegen. Nun sitzt er leider im Rollstuhl und ich hoffe, dass ich ihm mit meinen Läufen etwas Freude bereiten kann!

a: Was ist für dich Trailrunning?

Der Begriff „Trailrunning“ (mit „Ultra“ verhält es sich übrigens ähnlich) ist ja im Grunde sowas wie ein Modewort, die Menschen sind auch schon früher über die Berge (und auch sehr weit) gelaufen. Jetzt machen das sehr viele und es braucht dafür einen Begriff.

Für mich bedeutet „Trailrunning“: Laufen in der Natur vom Tal über die Almen bis auf die Gipfel…und dabei (nicht zuletzt aufgrund der langen Distanzen und unzähligen Höhenmetern) sich selbst – Geist und Körper- so richtig zu spüren. Mein Motto: „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt!“

Im Ziel des GGUT mit Markus Amon.

Im Ziel des GGUT mit Markus Amon. Foto: GGUT

a: Du hast im Vorjahr die Premiere des GGUT gewonnen. Er gilt schon jetzt als einer der brutalsten Ultras in Europa. Welche Bedeutung hat so ein Sieg für dich?

Klaus: Darauf habe ich hingearbeitet, ich wollte bei einem der großen Ultras am Podium stehen! Allerdings habe ich mir nicht erwartet, dass ich das bereits 2016 schaffe. Nach dem 9.Platz beim ZUT 2016 hatte ich gemischte Gefühle, einerseits verspielte ich durch einen vermeintlich kleinen Fehler einen Top 3 Platz, andererseits hatte ich ein Top 10 Ergebnis erreicht. Ich habe schon gefühlt, dass vor allem bei einer schwierigeren Strecke einiges möglich ist. Beim GGUT 2016 startete ich dann 5 Wochen später, die letzte Vorbereitungswoche vor dem GGUT war nicht optimal und die Motivation anfangs ungewohnt niedrig. Allerdings hatte ich einen genauen Plan für die sehr schwierigen 110km und 7.000Hm: immer dasselbe Tempo, ein zu schneller Start bringt auf dieser Strecke jeden um – einzig Markus Amon konnte ich nicht biegen, das war auch gut so – er ist ein harter Knochen, mittlerweile ein guter Freund, der mich auch bei StyriaCrossing unterstützen wird. Den Zieleinlauf beim GGUT 2016 werde ich nie vergessen, ein unbeschreibliches Gefühl, das für so einiges entschädigt!

Klaus mit seiner Frau Miriam und den Töchtern Linda, Maria und Greta.

Klaus mit seiner Frau Miriam und den Töchtern Linda, Maria und Greta. Foto: Herbert Raffalt

a: Was waren bisher deine größten Erfolge?

Klaus: Meine Frau Miriam und unsere 3 Töchter Linda (7), Maria (6) und Greta (3) !!!!

Sportlich: Schladminger 4-Berge Skischaukel hin und zurück (80km, 8400Hm) auf Tourenskiern am 1.1.2014 in 10h 36min; Schladminger 4-Berge Trail hin und zurück (8 Gipfel, 96km, 8400Hm) am 15.08.2014 in 16h40min und der Sieg beim GGUT 2016

a: Für heuer sind deine Ziele ja weniger Wettkampfmäßig, sondern du hast sozusagen ein „Genussprojekt. Worum handelt es sich dabei?

Klaus: An die Bezeichnung „Genussprojekt“ habe ich ehrlich gesagt noch nie gedacht – du wirst ja erfreulicherweise auch im Team dabei sein – reden wir dann danach, wie weit der Genuss gereicht hat 😉

Zum Projekt: Styria Crossing ist eine nonstop Durchquerung der Steiermark mit Ziel auf dem Dachstein mit 40 Stunden, 230 Kilometer und 20.000 Höhenmeter im Juni 2016. Es ist ein Lauf von der Landeshauptstadt Graz bis zum höchsten Gipfel der Steiermark, dem Dachstein (2995 m).

Ich werde in einem Stück, ohne Unterbrechung, querfeldein auf einer selbst erkundeten und geplanten Route unterwegs sein. Unterstützt werde ich dabei von einer Vielzahl an prominenten Wegbegleitern und Sportlern.  Es ist ein extremer Ultralauf quer durch die Steiermark, der mir neue Einblicke in die abwechslungsreiche Vielfalt des Landes geben wird.

Der Start erfolgt am Grazer Schlossberg. Weiter geht es durch die Weststeiermark über die Gleinalm ins Murtal, weiter über die Seckauer und Schladminger Tauern bis ins Ennstal. Die wohl anspruchsvollste Etappe des gesamten Projektes führt dann von Haus/Ennstal auf den Hohen Dachstein.

a: Wie bist du auf die Idee zum Styria Crossing gekommen?

Klaus: Mein ursprünglicher Plan war vom Dachstein auf den Großglockner zu laufen – als Steirer wollte ich dann allerdings doch lieber ein rein steirisches Projekt und im Zusammenspiel mit meinem Freund Hannes Mayerl ist die Idee für StyriaCrossing entstanden.

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Foto: ORF

a: Worin siehst du dabei die größte Herausforderung?

Klaus: 230km – 10.000Hm – 40 Stunden – 2 Beine beschreibt die Herausforderung am besten. Ich rechne damit, dass in der zweiten Hälfte das bergablaufen eine der größten Herausforderungen wird und natürlich der finale Anstieg auf den Dachstein – 2400Hm am Stück mit Klettersteig- wird einfach nur sauhart werden und ich freue mich schon sehr, diese Herausforderung in Angriff nehmen zu dürfen!

a: Kannst du etwas zur Logistik sagen? Wie viele Helfer hast du, wie wirst du dich verpflegen, schläfst du dabei?

Klaus: Schlafen werde ich keinesfalls, ich werde nonstop unterwegs, immer in Bewegung bleiben! Wir sind ein großes Team, in Summe ca. 50 Personen die sich folgendermaßen aufteilen:

  • Logistikteam (Betreuung und Verpflegung, Transport der Begleitläufer)
  • Begleitläufer (schon allein aus Sicherheitsgründen darf ich nie allein sein, über die Berge sind die Begleitläufer auch für die Verpflegung sehr wichtig, auch prominente Begleiter werden wieder dabei sein)
  • sportärztliche Betreuung (das Sportplusmedizin.at Team rund um Dr. Silke Kranz wird die Ernährung und meinen gesundheitlichen Zustand überwachen)
  • Fotografen (Herbert Raffalt und Toni Kerschbaumer)
  • Filmteam (wir machen eine Eigenproduktion von StyriaCrossing, voraussichtlich wird auch ServusTV dabei sein und einen Beitrag für Sport und Talk machen)
  • Presseteam

a: Dieses Projekt nimmt dich derzeit ja sicher sehr in Anspruch, aber gibt es schon Ziele darüber hinaus?

Klaus: Derzeit ist der Fokus voll auf StyriaCrossing gerichtet, da ist für zukünftige sportliche Ziele derzeit kein Platz.

im Ziel mit Zuseher

Foto: Herbert Raffalt

a: Welche Wettbewerbe würden dich noch besonders reizen?

Klaus: Der neue Ultra von Seefeld nach Bozen, ein neuerlicher Start beim GGUT (teilweise ja neue Strecke) und natürlich der UTMB!

a: Wie siehst du die Entwicklung in unserem Sport?

Klaus: Die Entwicklung ist toll, interessant ist vor allem, was sich alles beim Material tut, da besteht (obwohl sich schon so viel getan hat) noch immer Potential für Verbesserungen. Als überzeugter Dynafit Athlet versuche ich mich bei Dynafit immer wieder sehr stark mit Inputs beim Material einzubringen und es geht sehr viel weiter. Interessant ist vor allem auch, wieviele Sportler das Bedürfnis haben einen 100km Ultratrail zu laufen, einfach um zu finishen, das ist für mich sehr bewundernswert. Ich habe mir vorgenommen maximal bis zu meinem 40. Geburtstag (also noch 4 Jahre) Leistungssport zu betreiben und Ultras zu laufen. Danach träume ich schon von einem StyriaCrossing Ultra als Bewerb…..

a: Wird es zu extrem?

Klaus: Die Gefahr sehe ich nicht. Mir erscheint es wichtig, dass immer alles halbwegs laufbar bleibt. Passagen wie bei StyriaCrossing am Schluss auf den Dachstein sind für einen Ultratrailwettkampf nicht notwendig und ein unnötiges Risiko wie auch Aufwand für den Veranstalter.

a: Wie verbindest du Beruf, Familie und Job?

Klaus: Eine Frage, die mir speziell seit meinem Sieg beim GGUT 2016 sehr oft gestellt wurde. Es ist schon hart und ohne das riesengroße Verständnis meiner Frau Miriam wäre alles nicht möglich. Mein Tag beginnt sehr oft sehr früh, am Wochenende steht mind. 1 lange Einheit am Programm und es muss immer einen Familientag geben, der allerdings selten ohne eine gemeinsame körperliche Betätigung stattfindet. Ich trainiere max. 650 Stunden im Jahr, mehr bringe ich nicht unter und daher würde mehr nichts bringen. Wird der Sport gemeinsam gelebt, wird die Familie auch nicht vernachlässigt und wir leben halt momentan „meinen“ Sport. Das Schönste war die gemeinsame Freude über den Sieg beim GGUT 2016, was hätte ich davon, wenn wir uns nicht gemeinsam darüber freuen könnten! Allerdings haben wir eine Vereinbarung: max. bis zu meinem 40er!

Persönliche Daten: 

Klaus Gösweiner, geboren am 21. August 1980, ist österreichischer Ultra-Sportler. Gemeinsam mit seiner Frau Miriam und ihren drei Töchtern lebt er in Weißenbach bei Haus im Ennstal. Beruflich ist er Amtsleiter und Standesbeamter am Gemeindeamt von Haus im Ennstal.

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