Tecnica Inferno 3.0 Testbericht

Wenn der Name Tecnica fällt haben Skifahrer die typisch orangen Skischuhe im Kopf. Bei Trailrunnern herrscht da dann eher gähnende Leere, zumindest im deutschsprachigen Raum. Doch die Italiener sind keine Neueinsteiger im Trailrunning, schon seit einigen Jahren produzieren sie Schuhe fürs Gelände. Ich hatte auf der ISPO den ersten Kontakt mit Tecnica und optisch fand ich die Schuhe durchaus interessant.

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Nach einem Gespräch war klar: die muss ich testen. Gesagt getan, so bekam ich den Inferno XLite 3.0 von Tecnica zum testen. Wie der Name schon verrät ist es die bereits die dritte Generation des Models und er kommt heuer im Frühling in den Handel. Ich war schon gespannt, wie es sich läuft in den bunten Italienern.

Der Inferno XLite 3.0 bietet viel Dämpfung.

Der Inferno XLite 3.0 bietet viel Dämpfung.

Der erste Eindruck

Über Geschmack lässt sich natürlich trefflich streiten. Der Inferno kommt in hellblau-giftgrün-orange daher und ist wirklich auffällig. Mir persönlich gefällt die gewagte Farbkombination gut. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, der Inferno XLite 3.0 ist ein Vertreter der Maximalschuhe. Er verspricht viel Dämpfung und viel Stabilität. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger wurde er 2mm höher, dafür wurde die Sprengung auf 8mm herabgesenkt. Er verfügt über eine normale Schürung ohne eine Möglichkeit die Schuhbänder zu verstauen. Mit 290g Gewicht ist er deutlich leichter als er aussieht. Zum Design muss noch gesagt werden, es gibt ihn auch in 2 dezenteren Farbvarianten. Die Zunge ist dünn, und mit der Sohle verbunden, sie kann somit nicht verrutschen.

Die Schnürung ist sehr gut.

Die Schnürung ist sehr gut.

Die Passform

Bei der Passform gibt es nichts zu kritisieren. Reinschlüpfen und wohlfühlen – wie bei allen Maximalschuhen ist hier angesagt. Die dünne Zunge passt sich dank der Verbindung mit der Sohle sehr gut an. Auch die Schnürung drückt nicht durch und der Fuß lässt sich gut im Schuh fixieren. Die Schuhbänder verdienen besonderes Lob. Sie sind ein wenig gerippt und lösen sich nicht, man braucht also keinen Doppelknoten. Tecnica verlässt sich bei der Einlegesohle auf einen bewährten Partner, sie kommt von Ortholite. Dementsprechend gut passt der Schuh auch. Der Inferno XLite 3.0 ist vom ersten Eindruck her nicht ganz so weich in der Sohle wie zum Beispiel die Hokas, dennoch merkt man schon die komfortable Dämpfung. Zu erwähnen ist auch, dass der Schuh im Vorfußbereich recht breit ist. Vor allem beim langen Läufen ist das sehr angenehm, für Menschen mit sehr schmalen Füßen ist der Schuh aber nicht zu empfehlen.

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Die Sohle

Auch hier verlässt sich Tecnica auf Bewährtes. Die Aussensohle kommt von Vibram und so ist beim Grip nicht viel auszusetzen. Das Profil backt gut zu, egal ob auf Forstwegen, am Waldboden, auf Wiesen oder auch im Schnee. Selbst im Matsch kann man sich auf die Vibram Sohle verlassen. Die Mittelsohle ist sehr stark gedämpft, dadurch geht ein das Gefühl für den Untergrund verloren. Mich stört das allerdings weniger. Der  Inferno XLite 3.0 ist somit eher ein komfortabler Schuh, der dafür aber auch spitze Steine locker wegsteckt.

Viel Grip dank Vibram, auch im Schnee.

Viel Grip dank Vibram, auch im Schnee.

Auf der Strecke

Auf den ersten Metern wirkt der Inferno XLite 3.0 wenig dynamisch, diese absolviere ich auch noch auf Asphalt. Hier wirkt der Schuh sehr plump. Im Gelände wird das ganze aber deutlich besser. das Abrollverhalten ist gut, aber auch hier ist es als komfortabel und nicht sonderlich dynamisch einzustufen. Dank des „TRS“ (Tecnica Roling System – hier ist die Sohle vorne und hinten leicht nach oben gezogen wie bei Rocker-Skiern) rollt der Inferno XLite 3.0 aber angenehm ab und vermittelt ein gutes Laufgefühl.  Der Fersenhalt ist gut, der Grip ebenfalls und somit lässt sich der Inferno XLite 3.0 super auf Fortswegen oder auch auf Waldwegen laufen. Für ganz winkelige Trail ist der Schuh aber doch etwas zu träge. Man fühlt sich aber im Inferno XLite 3.0 immer wohl und gut geschützt. Die Zehenkappe ist weit hochgezogen und die dicke Sohle lässt einen die Steine vergessen.

Die Zehenkappe bietet viel Schutz.

Die Zehenkappe bietet viel Schutz.

Fazit

Als Zielgruppe gibt Tecnica an: „Geschwindigkeitsorientierte Trail- und Ultra-Trail-Runner, die einen äußerst leichten, elastischen Schuh mit präziser Passform und Reaktivität suchen.“ Das kann ich nicht so unterstreichen. Für mich ist der Inferno XLite 3.0 viel mehr ein zuverlässiger Trainingsschuh mit dem man brav seine Kilometer abspulen kann. Speed ist weniger seine Stärke, dafür aber der Komfort und der Schutz. Einzig das Ultra würde ich stehen lassen, denn auf langen Läufen ist er ein sehr treuer Begleiter und bei vielen Trainingskilometern mit ausreichend Grip und guter Dämpfung. Damit ist er eine echte Alternative für Speedcross und Co.

Mehr Infos zum  Inferno XLite 3.0 findet ihr hier.