Inov-8 X-Talon 225/X-Claw 275 Testbericht

Und nochmal geht´s ab auf die Insel. Nachdem ich bereits die Trailtalon Brüder 250 und 275 von Inov-8 testen konnte, hab ich mir nun die ungleichen Inov-8 Brüder X-Talon 225 und X-Claw 275 zur Brust genommen. Nach dem mich die Briten vor allem mit dem Trailtalon 275 sehr überraschen und überzeugen konnten war ich sehr gespannt.

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Wie schon beschrieben, leitet sich aus dem Namen der Inov-8 Schuhe deren Einsatzzweck und deren Gewicht in UK8 ab. Das X steht in beiden Fällen für Cross und deutet schon an, dass es die beiden es gerne quer durchs Gemüse haben. Die beiden unterscheiden sich diesmal auch etwas mehr von einander als die Trailtalons, deshalb wohl auch der andere Namen. Der X-Claw ist deutlich robuster, mit viel mehr Verstärkungen. Aber mehr dazu im Test.

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Der erste Eindruck

Schon beim auspacken wird klar, die beiden haben ordentlich Grip. Die 8mm Stollen an der Aussensohle beider Modelle machen mächtig Eindruck. Natürlich fällt beim X-Talon 225 das atemberaubende, minimale Gewicht auf. Kaum zusätzlicher Schutz ist zu finden, nur eine Zehenkappe. Der Schuh ist auch extrem flach, lediglich 4mm Sprengung gehen sich hier aus – eine klare Ansage. Der X-Claw 275 wirkt schon wesentlich robuster, mit vielen Verstärkungen an der Zehenbox, zurückgezogen bis fast zur Ferse und Verstrebungen bei der Schnürung. Dazu noch eine deutlich dicker Zwischensohle mit 8mm Sprengung. Die Außensohle ist aber genau die Gleiche, mit 8mm Stollen.

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Die Passform

Hier gibt es ganz wesentliche Unterschiede, so wurde der X-Claw über den Standard Fit-Leisten von Inov-8 geschneidert und der X-Talon 225 über den Precision Fit-Leisten. Der X-Talon ist extrem eng, sowohl im Mittelfußbereich wie im Vorfuß. Er sitzt damit extrem gut, aber zu breite Füße sollte man hier nicht haben. Er fühlt sich auch wie ein Socken an, nicht nur weil er so eng am Fuß anliegt, auch weil die Sohle so minimal ist. Beim X-Claw kommt hingegen Komfort auf, der Standart Fit ist deutlich weiter geschnitten, vor allem in der Zehenbox. Der Fersensitz ist bei beiden Modellen sehr gut.

Einmal mehr, und einmal weniger Schutz.

Einmal mehr, und einmal weniger Schutz.

Die Sohle

Ob man beim X-Talon schon von einer Zwischensohle sprechen kann, bin ich mir nicht sicher. Weniger Millimeter trennen den Fuß vom Untergrund und dementsprechend direkt und wenig gedämpft ist der X-Talon 225 auch. Aber genau deshalb fühlt er sich auch fast wie ein Barfußschuh an. Er reiht sich klar in die Minimalschuhe ein, aber halt mit extrem viel Grip. Beim X-Claw 275 sieht das ganze etwas anders aus. Hier wurde auch das Inov-8 Dämpfungsmaterial PowerFlow verarbeitet. Durch die 8mm Drop steht man auch deutlich höher.

Powerflow gibts nur im X-Claw 275.

Powerflow gibts nur im X-Claw 275.

Auf der Strecke

So richtig groß wurden die Unterschiede dann aber auf dem Trail. Zuerst der X-Talon 225: Er ist unglaublich direkt, mit den 4mm Drop ist er extrem lauffreudig. Die Passform ist sehr gut und wegen der minimalen Bauart ist die Kraftübertragung sehr direkt. Der X-Talon lässt einen aber auch wirklich den Untergrund spüren, direkt und kaum gefiltert. Zu viel Asphalt sollte man deshalb nicht abbekommen. Wenn er dann aber im Gelände ist, fühlt er sich pudelwohl. Vor allem im weichen Terrain ist der X-Talon kaum zu bremsen. Wie Krallen bohren sich die Stollen ins Gelände. Die Sohle ist sehr schmal, das vermittel etwas weniger Trittsicherheit. Durch die direkte Bauweise wird das aber wieder etwas wett gemacht. Aufpassen heißt es aber bei großen und spitzen Steinen, die spürt man mehr als einem lieb ist.

Auch bei der Ferse ist der X-Talon viel weniger verstärkt.

Auch bei der Ferse ist der X-Talon viel weniger verstärkt.

Der X-Claw 275 ist hingegen ganz anders. Ein paar Kilometer auf Asphalt machen ihm nichts aus aus, er dämpft die locker weg. Der Grip ist zwar der selbe, das Abrollverhalten aber wesentlich weniger rund. Was beim X-Talon extrem spielerisch wirkt, kommt beim X-Claw etwas plump rüber. Er vermittelt nicht die Lauffreude des flachen X-Talon. Nichts desto trotz, bietet er unglaublich viel Grip auch abseits von Wegen.

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Fazit

Zwei wirklich ungleiche Brüder. Der X-Talon 225 ist kompromisslos und man merkt seine Herkunft. Die Fellrunning Gene der Briten stecken tief in ihm. Er mags gern matschig, weich und auch ohne weiteres einmal querfeldein. Dank der 8mm Stollen bietet er viel Grip und es macht richtig Spaß ihn den Berg hoch zu treiben. Dabei spürt man auch wirklich alles unter sich. Das heißt aber auch, dass der X-Talon 225 trainierte Füße verlangt. Er ist zweifeslfrei kein Einsteigerschuh, auch sollte man nicht all zu viel Gewicht mitbringen. Denn Dämpfung ist beim X-Talon kein Thema. Für mich klar ein Schuh für spezielle Einsätze, wie Vertical-K´s, steile Bergläufe oder für Querfeldeinspaß. Für geübte Trailrunner die auf „Vertikales“ stehen ist der X-Talon 225 also eine klare Empfehlung.

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Mit dem X-Claw 275 versucht die Inov-8 dem Ganzen noch etwas mehr Schutz und Komfort zu geben. Schutz und Komfort ist klar gelungen, aber etwas zu Lasten des Laufspass. Er ist bei weitem nicht so dynamisch und direkt. Der X-Claw 275 mag, wie sein Bruder, gerne weichen/tiefen Boden, ist aber deutlich der gemütlichere mit Augenmerk auf Komfort und Schutz. Vor allem schwerer Trailrunner werden also eher zum X-Claw 275 greifen, wenn sie auch ein Grip-Monster unter den Füßen haben wollen.

Auf der Streif fühlt such der X-Talon 225 pudelwohl.

Auf der Streif fühlt such der X-Talon 225 pudelwohl.

Mehr Infos zum  X-Talon 225 und zum X-Claw  findet ihr hier