Matsch und Schnee – das war der ZUT Supertrail

Es ist kalt und es gießt in Strömen und ich mag nicht, ich mag gar nicht – ich hab einfach keinen Bock. Ganz schlechte Voraussetzungen für einen Lauf, vor allem wenn es sich dabei um den Supertrail im Rahmen des Zugspitz Ultratrail handelt. Ich stehe gerade in Leutasch-Weidach und vor mir liegen gut 60 Kilometer und über 3000 Höhenmeter und ein riesengroßer innerer Schweinehund.

Der strömende Regen am Start war wenig Motivationsfördernd.

Der strömende Regen am Start war wenig Motivationsfördernd.

Soll ich wieder mit dem Bus zurück nach Grainau fahren? Nein, das geht jetzt wirklich nicht. Aber ich will hier nicht laufen, schon gar nicht bei dem beschissenen Wetter! Ach so schlimm ist es nicht, wenn du erst mal nass bist ist das kein Problem mehr und am Nachmittag soll´s ja besser werden. – So ein innerer Dialog hilft für gewöhnlich, und so auch an diesem Samstag. Ich mache mich so spät als möglich auf zur Kontrolle der Pflichtausrüstung um möglichst kurz im Regen zu stehen. Ein sehr guter Vorsatz, wenn man dann ja so 9 bis 10 Stunden im Regen läuft. Die Kontrolle ging schnell von statten und schon nach wenige Minuten erfolgte der Start. Neutralisiert ging es ortsauswärts und die Beine fühlten sich sehr gut an. Auf den ersten Schottermetern versuchten noch alle den Pfützen auszuweichen, auch so ein nettes Ritual auf den ersten Kilometern. Ist zwar sinnlos, aber gehört halt dazu. Nach gut 4 Kilometern einlaufen geht es auf einen steilen Schotterweg hinauf Richtung Scharnitzjoch. Ich komme gut voran und wir steigen immer höher bis zur Wangalm, wo wir auf die Ultrastrecke einbiegen. Kurz unterhalb der Wangalm mache ich einen Blick nach oben, und da erscheint etwas Weißes. Ist das etwa schon Schnee? Der war doch erst ab 1800 bis 2000m angesagt, wir sind hier aber erst auf 1750m, denk ich mir noch. Naja, egal – sieht ja eh recht witzig aus. Und weiter geht´s bis zum Scharnitzjoch auf 2048m wo schon ordentlich Schnee liegt.

Auf in den Schnee.

Auf in den Schnee.

Über das Scharnitzjoch im Schneegestöber.

Über das Scharnitzjoch im Schneegestöber.

Jetzt kommt die erste große Herausforderung für mich – der Downhill. Ich bin generell nicht der Schnellste bergab, aber bei diesen Bedingungen ist es besonders schwer. Auf dem Schneematsch geht´s halb rutschend, halb langsam Laufend voran bis ich endlich die Schneefallgrenze hinter mich lassen kann und ich wieder etwas schneller werde. Aber mir ist klar: hier hab ich jetzt wieder ganz viel Zeit liegen lassen. Egal, hilft nix, jetzt geht´s erstmal runter bis zum Hubertushof zur ersten Labestelle. Die Verpflegung mit den Gels war bisher ok, doch getrunken habe ich zu wenig. Die kalten Temperaturen lassen mich das regelmäßige Trinken vergessen und noch dazu ist das Wasser in den Softflask kalt. Auf dem letzten Kilometer vor der Labestelle trink ich aber noch einen halben Liter, um die Flask dort wieder auffüllen zu können. Die Verpflegung war super, ich hab mir Bananen und vor allem Kuchen geschnappt.

Beim packen der Ausrüstung hab ich noch auf besseres Wetter gehofft.

Beim packen der Ausrüstung hab ich noch auf besseres Wetter gehofft.

Nun war ich auch wieder voll motiviert, denn ich wusste, dass mir die nächsten 26 Kilometer sehr gut liegen würden. Immer ein auf und ab mit zum Teil sehr lässigen Trails und ein paar faden Abschnitten, die aber super laufbar waren. Besonders lässig war der Abschnitt vom Schützenhaus in Mittenwald zum Ferchensee, da hatten wir sogar eine Regenpause und ein paar Sonnenstrahlen blinzeln durch. Doch das war gleich mal wieder erledigt und es zog wieder zu. Aber schon bei der Verpflegstelle Ferchensee haben wir gehört, dass die Strecke wohl etwas verkürzt wird. Ganz sicher war ich mir aber noch nicht, also behielt ich im Kopf weiter die Marschroute mit 60k bei. Zur Partnachalm führt ein steiler Anstieg und dort gab es neben dem üblichen Stück Kuchen, der Banane und dem Wasser zum Flask auffüllen sogar ein Red Bull Cola, ich liebe dieses Zeug und es gab mir einen extra Punch für die nächsten Kilometer. Noch einmal kurz hoch und weiter 100Hm runter vor dem letzten Anstieg.

Der letzte Anstieg war wirklich hart.

Der letzte Anstieg war wirklich hart.

Ich wusste, der würde hart werden. Relativ steil und über 1000Hm, noch dazu regnete es wieder in Strömen. Aber, hilft nix und es ist ja der letzte Anstieg, dann ist es mehr oder weniger geschafft. Runter komme ich ja immer irgendwie. Es hat sich recht bald eine Gruppe von 8 Läufern und einer Läuferin gebildet. Zwar ohne miteinander zu quatschen, aber immerhin gemeinsam haben wir den Anstieg in Angriff genommen. Schritt für Schritt, der Wanderweg hat sich inzwischen zu einem kleinen Bach verwandelt und das rot des Schuhes war nur mehr mit viel Fantasie zu erkennen. Auch war ein Einheimischer aus Garmisch mit dabei und nach einer gefühlten Ewigkeit hörten wir von oben Anfeuerungsrufe. Das muss die Talstation Längenfelder sein. Diese liegt auf etwa zwei Dritteln des Anstieges. Doch der Einheimisch bremste unsere Freude recht schnell. „Die haben mich im Vorjahr schon verarscht, sind aber sicher noch 200 Höhenmeter“, ließ er uns wissen. Es hinderte ihn aber nicht daran, den Anfeuerungen von oben entgegen zu rufen. Das war eine willkommene Aufheiterung und ich dachte mir wenn er noch Luft dazu hat, bitte gerne. Er sollte aber recht behalten und wir brauchten noch eine gute Zeit, bis wir oben angekommen sind, bei der nächsten Labestation, der Talstation Längenfelder. „Von hier an geht´s nur mehr bergab“, riefen uns die ersten schon zu. Ok, dann glaub ich es jetzt auch – die Strecke wurde um die Schleife zur Bergstation Alpspitzbahn mit etwa 5k und 400Hm verkürzt. Das war mir in dem Moment ehrlich gesagt, gar nicht unrecht. Jetzt geht´s ins Tal. Nur noch vorbei am Gripmaster, mit einem kleinen Interview. Das ist nach 7 Stunden laufen gar nicht so einfach, spontan was Brauchbares zu sagen. „Alles Gute für die letzten Kilometer. Die anderen meine ich, nicht den von der Zeitung“, scherzte Gripmaster in gewohnter Manier und ich startete mit einem Schmunzeln in das letzte Bergabstück.

Das es nicht ganz so locker wird verriet schon der Name, die Strecke führte über den „Jägersteig“. Ein sicheres Indiz, dass es steil und winklig werden würde. So war es auch und ich war heil froh, als der Trail endete und ich auf die Straße kam. Von hier waren es nur mehr 2,3k, also ein Katzensprung. Es zeigte sich zwar, dass auch 2 Kilometer lang schön weit sein können aber vor allem der Jubel in Grainau ließ mich den letzten Kilometer echt genießen. Eine unglaubliche Stimmung in dem Ort! Und endlich war es da, das Ziel. Nach 8 Stunden und 12 Minuten hatte ich den Supertrail mit verkürzten 55K und gut 2600Hm hinter mich gebracht. Ich war ja alleine nach Grainau gereist und so empfing mich nicht wie üblich meine Familie, aber ich war dennoch glücklich meinen inneren Schweinehund besiegt zu haben. Noch dazu war das Handy leer und ich konnte nicht einmal ein Ziel-Selfie machen oder meine Frau anrufen. Aber das holte ich nach dem Duschen nach.

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Trotz des widrigen Wetters war der ZUT ein unglaubliches Erlebnis. Plan B organisiert den Event extrem professionell. Alles funktionierte perfekt, von der Anmeldung über den Shuttle an den Start in Leutasch bis hin zu den auch bei mir noch ordentlich warmen! Duschen. Die Pastaparty am Vorabend im Musikpavillon von Grainau war ein lässiges Treffen der Läufer und es gab mehr als genug Pasta für jeden. Auf jeden Fall ist der ZUT eine Veranstaltung mit Suchtpotential. Mal schauen, ob mich meine Reise im kommenden Jahr noch mal nach Grainau führt. Zuletzt noch ein großes Dankeschön an Annette von Plan B für die super Betreuung! Auch diesmal hat mich wieder der Dynafit Pantera X7 begleitet. Lediglich im Matsch auf dem Scharnitzjoch war er etwas rutschig, ansonsten war´s der perfekte Schuh und auch der Dynafit Enduro 12 Rucksack und der Leki Speestick bestanden die Prüfung perfekt.

4 Gedanken zu “Matsch und Schnee – das war der ZUT Supertrail

    • Und natürlich auch mehr Glück. Trotzdem großen Respekt auch, das du so Vernünftig warst und ausgestiegen bist.

      • Es hätte keinen Sinn gemacht und wäre gesundheitlich voll nach hinten losgegangen. Auf ein neues nächstes Jahr. Bzw. bei der Trailrun Challenge in 4 Wochen.
        Allerdings erstmal den Infekt auskurieren, der wohl die Wurzel allen Übels ist.

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