Es ist vollbracht: Klaus Gösweiner durchquert die Steiermark

Es ist die Geschichte einer unglaublichen Reise, getragen von körperlicher Fitness, Freundschaft, Passion und Leidenschaft über 230 Kilometer quer durch die Steiermark von Graz auf den Dachstein.

Noch immer sind es so viele Dinge, die mir auch Tage danach noch durch den Kopf schwirren. Sei es schon die Begrüßung durch Klaus, als ich ein paar Stunden vor dem Start bei ihm ankam, die Leidenschaft mit der die über 50 Betreuer und Begeleitpersonen dabei waren, das Klausiiiiiiiii von Betreuerin Manuela welches Klaus und seine Begleiter schon 300 Meter vor dem nächsten Labestation hörten, sei es die Begeisterung mit der Hannes das Projekt 35 Stunden lang leitete und vor allem Klaus selbst, der bei jeder Labestation aufmerksam schaute wer da ist, Leute begrüßte, für Fotos bereit stand und nach 18 Stunden laufen einfach mal wissen wollte wer den Zugspitz Ultra gewann. Es sind einfach zu viele Eindrücke für einen Bericht. Aber ich versuche trotzdem, euch das Erlebte etwas näher zu bringen und euch nachträglich auf die Reise mit Klaus mitzunehmen.

Abschied von der Familie vor der Abfahrt nach Graz.

Abschied von der Familie vor der Abfahrt nach Graz.

Schon die Vorbreitung für das Monsterprojekt war unglaublich. Von Graz auf den Dachstein mit 231 Kilomtern in 40 Stunden – das war der Plan. Dass Klaus den gehörig durcheinander brachte, ist ein Teil der Geschichte. Über 50.000 Kalorien musste der Ultraläufer in der Zeit zu sich nehmen, ein eigenes Begleitfahrzeug war dafür bereitgestellt. Mit Essen, Getränken, verschiedenen Schuhen, Stöcken, Bekleidung uvm. Über 50 Betreuer und Begleiter waren dann mit dabei. Schon beim Start am Grazer Schloßberg am Freitag den 17. Juni um Punkt Mitternacht waren viele gekommen. Auch die Bürgermeister von Graz und Haus waren mit dabei, als Klaus mit seinen ersten Begleitern in die Nacht aufbrach.

Kurz vor dem Start.

Kurz vor dem Start.

Und von Anfang an war klar: Klaus gibt Gas. Schon bei der ersten Labestation war er 30 Minuten schneller als geplant, als er dann bei der vierten Versorgungstelle schon 1,5 Stunden vor dem Plan lag brachte er den Koordinator des Projektes, Hannes Mayerl, gehörig ins schwitzen. Die Begleitläufer mussten neu getimed werden, die Versorger mussten schneller fahren usw. Ich glaube, ich würde Hannes ohne Handy am Ohr gar nicht wiedererkennen. Klaus spulte sein Programm ab, Asphalt und Hitze steckte er mit dem Ipod weg. Die ersten 130 Kilometer war sein Bruder Dieter mit dem Bike dabei, die Begleitläufer hat er auf seinem Weg sozusagen verbraucht.

Labestation in der Nacht

Labestation in der Nacht

Auch ich durfte ihn dann ein erstes Mal begleiten. Es war beeindruckend wie schnell er nach weit über 120 Kilometer noch immer unterwegs war, der Schnitt lag noch immer bei 9km/h. Trotz eines kurzen Regenschauers war Klaus gut drauf. „Brauchst du noch eine Jacke?“, fragte ich. „Nein, alles bestens“, kam prompt zurück. Er war noch super in Schuss. Auch das sollten die Begleitläufer überprüfen. „Fragt ihn irgendeinen Blödsinn, wenn er Blödsinn antwortet dann sagt es mir“, gab Teamärztin Silke Kranz aus, um zu sehen ob Klaus noch fit war.

Teamärztin Silke Kranz betreute Klaus 35 Stunden lang.

Teamärztin Silke Kranz betreute Klaus 35 Stunden lang.

Immer wieder konnte er bei den Labestellen Essen fassen und desto näher wir Richtung Haus im Ennstal kamen, umso mehr Leute waren an den Stellen anzutreffen. Jubel, Anfeuerungen, seine Familie und immer wieder Fotowünsche lockerten die Zeit für Klaus etwas auf. Nach der Flüssignahrung zu Beginn, waren es nun Kartoffeln mit viel Butter und Salz welche ihm die notwendige Energie brachten. Und die verschiedenen neuen Begleitläufer gaben Klaus sichtlich immer einen neuen Punch.

Der Bus mit der Verpflegung war ordentlich gefüllt.

Der Bus mit der Verpflegung war ordentlich gefüllt.

Peter, Lois und Erwin bereiteten die Flüssignahrung vor.

Peter, Lois und Erwin bereiteten die Flüssignahrung vor.

Rund um 166k war dann auch ich wieder mit dabei. Wir plauderten wie bei einem flotten Trainingslauf über die Ernährung und verschiedene Läufe. Klaus war super drauf und die Ankunft in Kleinsölk werde ich nie mehr vergessen. Über 50 Leute in einem winzigen Weiler feuerten Klaus an und da war auch wieder der Schrei, den ich erstmals als Läufer auch hören konnte: Klausiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!, war Manuela schon von weitem zu hören. Gänsehaut pur!

Zweimal konnte ich Klaus begleiten.

Zweimal konnte ich Klaus begleiten.

In die Nacht ging´s für Klaus frisch gestärkt mit einer Suppe und frischer Kleidung, der Regen ließ wieder nach und für ihn ging es Richtung Heimat, auf den Hauser Kaibling und dann direkt nach Haus beim Sonnenaufgang. Fast das ganze Dorf war wach, kein Wunder so lautstark wie Klaus angefeuert wurde.  Man spürte aber auch die Verbundenheit und die Begeisterung für „ihren“ Klaus, der an dem Tag dem Wahnsinn einen Namen gab. Über die Ramsau näherte er sich dann seinem Ziel. Immer noch im Wahsinnstempo. Beim Einstieg in den Dachstein dann der Wechsel von den Laufschuhen auf Bergschuhe mit Steigeisen und auch hier legte Klaus wieder nach.

An den Verpflegstellen gabs für Klaus und die Begleiter viel zu tun.

An den Verpflegstellen gabs für Klaus und die Begleiter viel zu tun.

An der Bergstation stapfte er mit seinen Begleitern Richtung Gipfel an vielen Fans vorbei. „Der schaut ja noch super aus“, hörte man so manchen verwundert sagen. Ja Klaus sah nicht aus als hätte er gerade 34 Stunden und fast 230km hinter sich gebracht. „Wie lange braucht er noch auf den Gipfel?“, fragten die Zuschauer sich gegenseitig. „Normal sind 2 Stunden angeben, und nach so langer Zeit wird er da wohl auch nicht viel schneller sein“, sagt ein Einheimischer und wir grinsten, denn wir wussten: Klaus schiebt weiter an! Und das tat er auch, in gut einer Stunde war er am Gipfel. Es war geschafft, fast 5 Stunden schneller als geplant.

Kurz vor dem Ziel

Kurz vor dem Ziel

Die Zielankunft sprach sich sofort in der Bergstation herum. „Er ist oben“, und alle freuten sich. das Leuchten in den Augen aller Begleiter war zu sehen und alle waren stolz auf Klaus, auf seine unglaublich Leistung und das wir dabei sein durften. Wir alle mussten nun noch warten bei er wieder vom Gipfel kam. „Wie wird es ihm gehen?“, fragten sich die Meisten und dann stand er da, stieg aus dem Pistenbully aus als ob nichts gewesen wäre. Die Begrüßung war unglaublich herzlich. „Es ist geschafft“ – da war sie, die Leidenschaft, die Passion, der Zusammenhalt, die Freundschaft und die unglaubliche Fitness von Klaus Gösweiner, die all das möglich machten. Sie waren in diesem Moment zu spüren.

Klaus bei der Ankunft vom Gipfel.

Klaus bei der Ankunft vom Gipfel.

Ich kann nur Klaus zu der unglaublichen Leistung gratulieren, vor dem ganzen Team den Hut ziehen und in Ehrfurcht danke sagen, dass ich bei Crossing Styria dabei sein durfte!

Am Gipfel angekommen. Foto: Herbert Raffalt

Am Gipfel angekommen. Foto: Herbert Raffalt