Interview Chris Mannel – Oberalp

Bei der Südtiroler Oberalp Gruppe hat sich einiges getan in den vergangenen Monaten. Unter dem Dach Oberalp finden sich die Marken Dynafit, Salewa, Pomoca und Wild Country. Aus den einzelnen Niederlassungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz wurde nun Oberalp Central Europe. Kopf der neuen Niederlassung ist der bisherige Oberalp Österreich Chef, Chris Mannel. Ich habe ihn zu einem Gespräch über Trailrunning, Skibergsteigen und die Situation der Industrie gebeten.

Chris Mannel. (Foto Thomas Bause)

Auffimuasi: Chris, deine Aufgaben haben sich ja vervielfacht. Warum wurden die Niederlassungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammengeführt?

Chris Mannel: Wir haben uns unsere zwei wichtigsten Ansprechpartner – den Sportfachhandel und unsere Konsumenten – genauer angeschaut. Dabei haben wir bemerkt, dass Ländergrenzen immer weniger eine Rolle spielen. Händler eröffnen neue Geschäfte dies- und jenseits von Grenzen, und das nicht nur auf den Onlinehandel bezogen. Und wenn wir uns selbst als Endverbraucher nehmen, suchen wir uns unsere Touren ja auch nicht mehr unter Anbetracht der Landesgrenzen. Wir denken zwar wieder lokaler, aber unser Aktionsradius ist durch die steigende Mobilität größer und regionaler geworden.

Auffimuasi: Mit Dynafit ist das Hauptgeschäft das Skibergsteigen, es liegen vier schwierige Winter hinter euch. Wie steht es um die Skiindustrie?

Mannel: Skibergsteigen ist eine Nische in der Skiindustrie, die durch den Trend zur Gesundheit und Entschleunigung in den letzten Jahren starken Zuspruch der Konsumenten bekommen hat. In dieser Nische konnten wir uns mit unserer Spitzenpositionierung sehr gut etablieren. Der typische DYNAFIT Kunde ist der Bergsportler, der seine Touren nicht nur vom Wetter abhängig macht, sondern das Beste aus den bestehenden Verhältnissen macht. Sei es ein Ausweichen auf Pistentouren – das Thema nehmen wir mit Speedfit gesondert auf – oder dem Trend zum Trailrunning als Ganzjahressport.

Ich habe aber ein sorgenvolles Auge auf die Skiindustrie, wenn ich beobachte, dass immer weniger Kinder Skifahren lernen. Das Skifahren ist nämlich die Basis fürs Skibergsteigen im Speziellen und für unseren Tourismus im Generellen. Der Gast orientiert sich ja an dem Einheimischen. Und wenn der nicht mehr Skifahren kann, ist das mittelfristig auch für den Sportfachhandel ein Problem. Da müssen wir schleunigst alle gemeinsam handeln.

Mannel bei der Oberalp Convention im vergangenen Herbst. (Foto Thomas Bause)

Auffimuasi: Wie siehst du generell die wirtschaftliche Entwicklung im Bereich Outdoor und im Speziellen im Skibergsteigen und Trailrunning?

Mannel: Die Zahlen belegen, dass der große Outdoortrend vorbei ist und wir uns in einem Verdrängungswettbewerb befinden. Die Marken, die sich klar positionieren und differenzieren, werden mittel- und langfristig erfolgreich sein. Wir bemerken eine immer stärkere Unterscheidung zwischen Outdoor- und Bergsport. Der echte Bergsportler / Alpinist möchte sich wieder unterscheiden und seine Communityzugehörigkeit kommunizieren und zeigen. Im Skibergsteigen sind derzeit zu viele Marken mit zu vielen Produkten am Markt, das wird sich bald wieder reduzieren und bereinigen. Trailrunning ist gerade ein großes Thema und wird ja auch langsam touristisch genutzt. Wenn wir vor allem in unseren Regionen verstehen, den Läufer anzusprechen, seine Runden auf den Trails zu ziehen, haben wir ein großes Potential vor uns.

Auffimuasi: Im Skibergsteigen gibt es ja kaum einen Sportler, der nicht zumindest ein Dynafit-Teil besitzt. Im Trailrunning ist das noch anderes. Wohin wollt ihr mit Dynafit im Trailrunning?

Mannel: Wir haben da den gleichen Anspruch wie im Skibergsteigen: nicht kurzfristig sondern mittelfristig zu agieren und neben guten Produkten den Konsumenten das Gefühl einer Heimat, einer Community zu geben. Mit SPEEDUP haben wir einen klaren Claim um ´DIE` Marke für Ausdauerbergsportler zu werden!

Mannel weiß wovon er spricht, er ist selbst viel in den Bergen unterwegs.  (Foto: Mannel)

Auffimuasi: Mit Salewa meidet ihr ja das Wort Trailrunning und habt das Wort Mountain Training kreiert. Warum die Trennung? Die Salewa Produkte eignen sich doch auch super zum Trailrunning.

Mannel: Das tun sie wirklich, und das eine schließt ja das andere nicht aus. Mit Mountain Training zielen wir auf die Zielgruppe der jungen Bergsportler ab, die aus dem Hiking und nicht aus dem Running Bereich kommen. Als Beispiel den Großteil der Teilnehmer vom Karwendelmarsch, die die Strecke schnell gehend und teils laufend bewältigen. Dass es dabei Überschneidungen gibt, ist uns bewusst und auch kein Problem.

Auffimuasi: Du bist ja selber aktiver Sportler. Wohin entwickelt sich aus deiner Sicht das Trailrunning?

Mannel: Wie schon im Bike- und Skitourenbereich wird es mehr Differenzierung geben. Sowohl in der Streckenlänge, der sich Trailrunner widmen als auch im Terrain. Es ist ein großer Unterschied, entlang eines Stausee auf einer Schotterstrasse zu laufen als auf einem Singletrail im Pitztal. Da wird es Unterscheidungen in den Produkten geben und daraus resultierend auch Unterschiede in den Bedürfnissen der Trailrunner.

Nicht nur mit den Tourenski, auch mit den Trailschuhen. (Foto: Mannel)

Auffimuasi: Wie definierst du Trailrunning?

Mannel: Prinzipiell ist es Laufen abseits asphaltierter Straßen, und unter Laufen verstehe ich einen großen Teil der Strecke teilweise beide Beine in der Luft zu haben. Und nachdem ein Trail ja ein schmaler Pfad ist, gehört das für mich beim Trailrunning zwingend dazu.

Auffimuasi: Hast du zum Abschluss noch eine Empfehlung für eine Trail-Strecke, die man unbedingt einmal laufen muss?

Mannel: Ich bin ja meist beim Trailrunning mit meinem leichten Gleitschirm am Weg, und da ist das Vordere Sonnwendjoch im Rofan von Kramsach aus über den Zireiner See eine meiner absoluten Lieblingstouren. Nachdem der Abstieg mit dem Gleitschirm einfach und schnell geht ist das eine schöne Tour nach der Arbeit!

Danke für das Gespräch.

Zur Person

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 Kindheit und Ausbildung

Mannel wurde am 30.04.1974 in St. Martin am Tennengebirge als deutscher Staatsbürger geboren. Er absolvierte seine Ausbildung im Missionsprivatgymnasium St. Rupert der Steyler Missionare (SVD) in Bischofshofen und an der Universität Salzburg.

 

Karriere

Nach seinem beruflichen Einstieg bei Salomon konnte Mannel wertvolle Erfahrungen bei Völkl (Marker Tecnica Völkl Gruppe) – dem deutschen Marktführer im Skibereich – als Key Account Manager und weiters als Verkaufsleiter in den Bereichen Sales und Marketing sammeln. Mannel war maßgeblich daran beteiligt, dass Völkl im Jahr 2005 wieder zur Nummer 1 am deutschen Skimarkt wurde. Eine wesentliche Aufgabe bestand in der Verjüngung der Marke, die Segmente Freeride und Freestyle wurden entsprechend forciert.

Mitte 2008 wechselte Mannel zu Puma nach Salzburg, dort war er als Sales Director tätig, um aber rasch einem Angebot der Salewa-Gruppe zu folgen. Seit August 2009 zeichnet Mannel für die Geschäftsführung der OBERALP in Österreich verantwortlich. Das Unternehmen mit Sitz im salzburgerischen Bergheim existiert in Österreich seit mehr als 30 Jahren (1980) und konnte in den letzten Jahren, bedingt durch den Outdoor- und Bergsporttrend, eine rasante Entwicklung erfahren. „Alpine Kompetenz“ ist das Schlagwort des Unternehmens, das sich mittlerweile unter den fünf größten Sportartikelunternehmen in Österreich befindet!

Bis zum heutigen Tage sind die Marken Salewa (Bergsportartikel), Dynafit (Skitourenequipment), Wild Country (Kletterhartware), Pomoca (Fellhersteller für Aufstiegshilfen), Speedo (Schwimmartikel) und Silva (mobile lights) in die Distribution für Österreich übernommen worden. Die Salewa Vertriebsgesmbh wurde dadurch in 2011 zum Marktführer in Österreich und zählt zu den zehn größten Großhandelspartnern im österreichischen Sportartikelmarkt.

Neben dem Großhandel wurde verstärkt in eigene Retail- und Franchiseprojekte investiert – alleine im Jahr 2012 wurden drei weitere Franchisestores eröffnet (u.a. in Saalfelden am Steinernen Meer) – derzeit betreibt Mannel drei Salewa Stores selbst und vier in Franchise.

Mit August 2016 übernahm Mannel die Leitung der neu geschaffenen Region Central Europe (Deutschland, Österreich, Schweiz) im OBERALP Konzern und agiert von Bergheim, Aschheim bei München und Zürich aus.

Mannel ist zudem für seine multisportliche Ausrichtung bekannt: neben Tennis auf Landesliganiveau war Mannel lange Jahre im Amateurfußballbereich (u.a. als Spielertrainer) tätig. Zudem verschreibt er sich seit Jahren dem Ausdauersport (Laufen, Mountainbike, Rennrad, Skitouren) und dem Alpinismus (Klettern; Bergsteigen). Mit der Teilnahme an zahlreichen Extremsportveranstaltungen (Bike Transalp, Rennrad Transalp, Lauf-Marathons; Patrouille des Glaciers, Tour du Rutor, Mezzalama, Mountain Attack …) hat er seine mentalen und körperlichen Fähigkeiten unterstrich